Initiative für
Wissenschaftliche Medizin

Offener Brief an den Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart

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20. August 2022, Wien und Baden bei Wien

 

Offener Brief an den Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer

 

Aufforderung zur Besinnung auf die medizinische Wissenschaft in der Ärztekammer

 

Herrn                                                                                 
MR Dr. Johannes Steinhart
Präsident der Österreichischen Ärztekammer
Weihburggasse 10-12
1010 Wien

 

Sehr geehrter Herr Präsident Steinhart,

 

Im Jahr 2014 gründeten wir die „Initiative für Wissenschaftliche Medizin“ mit dem Ziel, der Unterstützung der Pseudomedizin durch Ärztekammern und Gesundheitsministerium entgegenzuwirken.

Wir (www.initiative-wissenschaftliche-medizin.at) fordern seit Jahren, dass die österreichische Ärztekammer sich von irrationalen, vorwiegend esoterischen Pseudomedizinmethoden distanziert und auf Vergabe von Diplomen in diesen verzichtet. Diese Forderungen stellten wir im Namen der Unterstützerinnen der Initiative (derzeit 1142 Unterstützerinnen, davon 495 Ärztinnen und 230 Naturwissenschaftlerinnen) auch im Rahmen einer Unterredung mit dem früheren Präsidenten Wechselberger im Jahr 2015 (damals leider erfolglos).

Wir möchten Sie auf einen Beschluss des Deutschen Ärztetages 2022 zur Homöopathie und ein Gerichtsurteil in erster Instanz in Deutschland zum Thema Bioresonanz hinweisen, die zeigen, dass man bei unseren Nachbarn offensichtlich begonnen hat, Pseudomedizin als das zu behandeln, was sie ist, nämlich Scheinmedizin.

Der 126. Deutsche Ärztetag 2022 in Bremen hat u.a. einen längst überfälligen Beschluss gefasst. Die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ wurde aus der (Muster-)Weiterbildungsordnung gestrichen. Vor diesem Beschluss hatten 12 von 17 Landesärztekammern diese Entscheidung auch schon selbst getroffen.

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetz wurden im Mai 2022 in Reutlingen erstinstanzlich 2 Geschäftsführer einer Firma, die Bioresonanzgeräte erzeugt und vertreibt, zu 2 und 3 Jahren Gefängnis und einer Strafe von 2,5 Millionen Euro und die ehemalige Vertriebsdirektorin zu 90 Tagsätzen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Leider praktizieren  auch viele österreichische Ärzte diese Pseudomedizinmethode.

Dass viele Kolleginnen und Kollegen esoterische, scheinmedizinische „Therapien“ ohne nachweisbaren Nutzen ihren Patientinnen anbieten und sich dabei auf  Diplome und akkreditierte Fortbildungen der Ärztekammer/Arztakademie berufen können, ist für uns schwer verständlich, vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass der überwiegende Teil der akkreditierten Fortbildungen wissenschaftlich hochstehend ist. Eine Ärztevertretung, die argumentiert, dass derartige pseudomedizinische Praktiken „besser in der Hand von Ärzten (als „Heiler“) bleiben sollten“, widerspricht den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin, auf die sich die Ärztekammer stets beruft. Die Coronapandemie hat uns allen das Schadenspotential der Wissenschaftsleugnung gezeigt.

Wir sind der Meinung, dass auch bei uns in Österreich für die Ärztekammer der Zeitpunkt gekommen ist, reinen Tisch zu machen. Wir fordern die Österreichische Ärztekammer auf,  sich vorbehaltslos zur wissenschaftlichen Medizin zu bekennen, von Pseudomedizin eindeutig zu distanzieren, die Vergabe von Diplomen in wissenschaftsfernen Pseudomedizinmethoden  auszusetzen und die Akkreditierung von Pseudomedizinfortbildungen durch die Arztakademie zu beenden.

Wir veröffentlichen diesen offenen Brief auf unserer Website und werden dort auch Ihre Stellungnahme zu unserem Anliegen publizieren.

 

Mit kollegialen Grüßen

Dr. Theodor Much, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Baden bei Wien
DDr. Viktor Weisshäupl, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin i.R., Wien

Initiative für Wissenschaftliche Medizin
www.initiative-wissenschaftliche-medizin.at
E-Mail:  office@ initiative-wissenschaftliche-medizin.at

 

 Zu diesen Themen mehr auf unserer Website:

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Update 2.9.2022 Da vom Mailserver der Ärztekammer keine von unserem Mailprogramm angeforderte Empfangsbestätigung der E-Mail an Präsident Johannes Steinhart eintraf und auch sonst keine Reaktion erfolgte, haben wir heute einen analogen eingeschriebenen Brief per Post mit Hinweis auf den von uns veröffentlichten Offenen Brief an Präsident Steinhart geschickt.