Kärntner Ärztekammer wieder fest auf Pseudomedizinkurs
Es gab einmal eine Zeit, als die Kärntner Ärztekammer die Website unserer Initiative auf ihrer Homepage verlinkte. Es war ein Zeichen dafür, dass wenigstens eine Bundesländerkammer versuchte, zu zeigen, dass sie die Pseudomedizin nicht unterstützt.
Damals berichtete ich auf unserer Website auch über die Aktivitäten des Homöopathen Dr. Erfried Pichler in der Kinderonkologie in Klagenfurt, habe diese Beiträge im Rahmen der Websitemigration jedoch als abgeschlossene kleine Geschichte angesehen und nicht mehr übernommen. (Auch bei der Initiative „Homöopathie als Kassenleistung“ war Dr. Pichler maßgebend beteiligt, diese Initiative blieb allerdings erfolglos. Hier finden Sie alle Beiträge über diese Initiative auf dieser Website.)
Daher zur Erinnerung:
Im April 2018 wurde eine Pressemappe publiziert, in der Dr. Erfried Pichler als
Dr. Erfried Pichler, Präsident der ÖGHM, Facharzt für Allgemeinmedizin und homöopathische Medizin in Klagenfurt, Leiter der homöopathischen Ambulanz an der Kinderonkologie im Klinikum Klagenfurt-Wörthersee: „Stellenwert der homöopathischen Therapie in der Kinderonkologie“
Leiter einer hömöopathischen Ambulanz an der Kinderonkologie Klagenfurt auftritt. Davon abgesehen gibt es keinen Facharzt für Homöopathie in der Facharztausbildungsordnung.
Der Primar der Kinderheilkundeabteilung am LKH Klagenfurt führte aus:
Primar Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im LKH Klagenfurt: „Das 20-jährige Bestehen der Homöopathischen Ambulanz an der Kinderonkologie am Klinikum Klagenfurt – ein Beispiel für integrative Medizin“
Auch in der Zeitschrift „Netdoktor“ zeichnete Dr. Pichler einen Artikel als ein solcher „Leiter einer hömopathischen Ambulanz an der Kinderonkologie Klagenfurt „.
Ein Leser dieser Website stellte damals diesbezüglich eine Anfrage an die Kabeg und erhielt vom damaligen Primar der Pädiatrie, Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch, die Antwort, dass es eine solche Ambulanz nicht gäbe. Dr. Pichler und seine Homöopathieaktivitäten an der Kinderklinik seien unabhängig von der Kabeg. Auch der Nachfolger an der Klinik, PD Dr. Jörg Jahnel, bestritt auf unsere Anfrage hin die Existenz einer solchen Ambulanz.
Ein Unterstützer hat mich nun auf eine Fortbildungsveranstaltung aufmerksam gemacht, die nicht von einer homöopathischen Ärztevereinigung angeboten wird, sondern von der Ärztekammer Kärnten selbst und in den Räumlichkeiten der Ärztekammer Kärnten am 30.9.2026. „Die Infekte kommen – mit Homöopathie effektiv therapieren.“ Vortragender ist Dr. Erfried Pichler, Leiter des Referats für Komplementärmedizin der Ärztekammer Kärnten, wenigstens nur mit 2 „sonstigen“ DFP-Punkten. Die Einladung erging an alle Ärzte in Kärnten.
Die Kommentare des Kollegen:
Schildbürger ÄK Kärnten…..
kärnten – traurig – von meinen pflichtmitgliedsbeiträgen bezahlt….
Wofür die Ärztekammer Kärnten also steht:
Es wird in einer von der Kammer selbst organisierten Fortbildung eine pseudomedizinische Therapie beworben, die bei selbstlimitierenden Virusinfekten keinen nachweisbaren Effekt über Placebo hinaus hat und die, wenn man bei möglicherweise bedrohlichen Infekten zu lange auf sie vertraut, zu einer Verzögerung einer wirksamen Behandlung führen kann.
Bei Kindern kommt erschwerend noch dazu:
(Den Ursprung des Zitats teilte mir Udo Endruscheit mit, ich hatte das Suchen erfolglos aufgegeben, da der Artikel hinter eine Paywall ist.)
Deshalb hat auch eine oft als harmlos angesehene Anwendung der Homöopathie durch den Kinder- und Jugendarzt als therapeutisches Placebo bei Bagatellen bedenkenswerte negative Konsequenzen: Sie führt zu einer Akzeptanz der Homöopathie bei den Eltern, weil sie durch die Empfehlung des Arztes als zweckrationale Maßnahme wahrgenommen wird. Dies birgt in der Folge die Gefahr, dass auch der pseudo- und anti-wissenschaftliche Überbau der Homöopathie sowie impfkritische Aussagen in den Augen der Eltern einen seriösen Anschein bekommen und derartiges Gedankengut entsprechend leichter aufgenommen wird. Zumindest aber sind die erlebten Erfolge mit Homöopathika bei selbstlimitierenden Beschwerden oft emotional so positiv besetzt, dass es den Eltern schwerfällt, die Information zu akzeptieren, dass die Globuli lediglich Placebos waren. Stattdessen fallen pseudowissenschaftliche Erklärungen und Falschdarstellungen der wissenschaftlichen Evidenz auf einen fruchtbaren Boden.


