Initiative für
Wissenschaftliche Medizin

8 Fortbildungspunkte für „Homöopathie in der Krebsbehandlung“ in Wien durch Arztakademie

Kaum zu glauben - das Seminar mit dem ursprünglichen Titel "Homöopathische Krebsbehandlung" erhält nach Titeländerung nun doch tatsächlich 8 DFP-Punkte.

8 Fortbildungspunkte für „Homöopathie in der Krebsbehandlung“  (ID 664468) in Wien durch Arztakademie!

Wie hier von uns berichtet, kündigte die Ärztegesesellschaft für Klassische Homöopathie ein Seminar mit dem Titel „Homöopathische Krebsbehandlung“ am 26.10.2019 in Wien an und hatte dafür Diplomfortbildungspunkte in Aussicht gestellt. Vortragende war eine Ärztin einer Klinik, in der auf Wunsch von Patienten Krebs auch ausschließlich homöopathisch behandelt wird. Einer der früheren leitenden Ärzte der Klinik, Dr. Jens Wurster, behauptet in Publikationen u.a., auch metastasierte Krebserkrankungen mit Homöopathie heilen zu können. In einer Auskunft der Arztakademie an Dr. Uttenthaler, einen Unterstützer der Initiative, wurde vor der Veranstaltung mitgeteilt, dass der Veranstalter keine Fortbildungspunkte beantragt habe.

Nach dem Hinweis auf dieses Seminar auf unserer Website wurde der Titel des Seminars auf der Website der ÄKH ohne Angabe von Gründen in mehreren Schritten geändert, es war danach nur mehr von „Allgemeinmedizinische Begleitung von Patienten mit Karzinomerkrankungen – konventionelle Therapie homöopathisch begleiten“ die Rede. Am beabsichtigten Inhalt des Seminars wird das wohl nichts geändert haben.

Dass die Arztakademie sich von diesen nachträglichen Seminartiteländerungen offensichtlich so beeindrucken ließ, dass sie die inhaltlich unveränderte Veranstaltung als punktewürdig beurteilt hat, obwohl ihr bekannt sein müßte, dass die Anwendung von Komplementär- und Alternativmedizin für Krebspatientinnen nachteilig ist (Johnson et al 2017, Johnson et al 2018), ist bedauerlich.

 

Auch wenn Ärzte in Österreich auf ihrer Website die Behandlung von Krebs mit Homöopathie bewerben dürfen, sind wir der Meinung, dass potentiell patientengfährdende Reklame für Pseudomedizin, die an Krebspatientinnen verkauft werden soll, nicht durch Fortbildungspunkte der Arztakademie geadelt werden sollte. Wir halten das auch für unvereinbar mit den Qualitätskriterien, die die Arztakademie von sich selbst fordert.